Geschichte der Halbinsel Jandia

Jandia ist das größte Ferienzentrum auf Fuerteventura. Vor allem die unendlich langen Sandstrände im Süden von Fuerteventura machen diesen Ferienorte zu dem beliebtesten Reisziel auf Fuerteventura. Wenn von Jandia gesprochen wird, wird meistens der Urlaubsort Jandia gemeint. Jedoch müssen wir zunächst einmal zwischen dem Urlaubsort Jandia und der Halbinsel Jandia unterscheiden, die am „Istmo de la Pared“, der mit 5 km schmalsten Stelle der Insel Fuerteventura beginnt und die Insel in die beiden Gebiete Maxorata und Halbinsel Jandia teilt. […]

In diesem Artikel möchten wir Ihnen die Halbinsel Jandia nicht nur aus touristischer Sicht vorstellen, sondern vielmehr auf die erdgeschichtliche Entstehung eingehen, ihnen die Mythen, Legenden und das Brauchtum der Halbinsel Jandia vorstellen, aber auch letzlich über die Entwicklung des Tourismus auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde berichten. Diesen vielen Fakten sind natürlich nicht meinem eigenen Wissen entsprungen, vielmehr habe ich mich in meine Uni Biblithek gesetzt und mal ein paar schlaue Bücher gewälzt. Über die Ergebnisse, mit den Quellenangaben, berichte ich Ihnen nun.
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1. Geologie der Halbinsel Jandia

Strand und Gebirge prägen die Halbinsel Jandia

Strand und Gebirge prägen die Halbinsel Jandia

Wie heute noch auf Fuerteventura zu sehen ist, ist die Insel geprägt von einer Landschaft, die vulkanischen Ursprungs ist. An vielen Stellen sind die erstarrten Lavaströme zu erkennen. Sogar einige Höhlen, die aus Luftblasen in der Magma enstanden sind, gibt es zu besichtigen. Vor etwa 17 Millionen Jahren muß durch einen Vulkanausbruch sich die heiße Lava durch die Kruste der Erde einen Weg gesucht haben, und erstarrte auf der bereits vorhandenen Insel vulkanischen Ursprungs […]

Dieser Prozess wiederholte sich immer wieder. Natürlich nicht von heut auf morgen, sondern wir reden hier von einem Zeitraum, von mehreren Millionen Jahren. Es brach einer der Vulkane aus, die Lava strömte über die Insel und erstarrte wieder. Der letzte Vulkan brach vor etwa 5000 Jahren auf Fuerteventura aus. Die daraus entstandenen Erdschichten können heutzutage noch im Kliff von Ajuy sehr eindrücklich in Augenschein genommen werden.  Diese unterschiedlichen, aufeinandergetürmten Erdschichten bildeten dann die heute über 800 m hohe Form der Halbinsel Jandia. Die Forschung ist sich darüber einig, dass die Halbinsel Jandia der Überrest eines gigantischen Kraters sein muss. Überreste eines Vulkans kann man im Norden Fuerteventuras erklimmen (Calderon Hondo). Die höchste Erhebung der Halbinsel Jandia ist der 807 m hohe „Pico de la Zarza“.

2. Besiedelung von Jandia

Ausflugsziel Cofete - Fuerteventura

Ausflugsziel Cofete – Fuerteventura

Unter welchen Umständen die Insel Fuerteventura besiedelt wurde, kann nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, ist ein kleiner Geschicktsexkurs nötig.
Das heutige Algerien stand seit 146 v. Chr. unter dem Protektorat Roms, als Provinz Numidia. Die Provinz Numidia war bewohnt von verschiedenen Berberstämmen. Unter dem Berber Takfarinas kam es im Jahr 17 zu Aufständen über die römische Vorherschaft, die die Römer niederschlugen.
Es wird davon ausgegangen, auch wenn dies nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, dass die Römer Fuerteventura als Strafkolonie nutzen und die aufständischen Berber auf die Halbinsel Jandia deportierten. (Im heutigen Safaga/Ägypten gab es bspw. auch eine solche Strafkolonie Roms.) […]

Die Bewohner der Halbinsel Jandia betrieben vielfältige Landwirtschaft und Viehzucht. Vermutlich muss die Halbinsel Jandia daher in früheren zeiten fruchtbarer gewesen sein, als heute. Die Ziegenzucht, die Herstellung von Ziegenkäse sicherte schon damals den Lebensunterhalt. In diesem Punkt hat sich auf Fuerteventura bis heute nicht viel geändert. Viele Bauern leben auch heute noch von den ziegen und deren Produkten.

Aber auch Schafe, Rinder und Kamele wurden gezüchtet. Zur Landwirtschaft gehörte fernen der Anbau von Zuckerrohr, von Feigen und vielen anderen Obstsorten. Zum Bewässern ihrer Felder nutzen die Bauern vermutlich Quellen, die den Bergen entsprangen. Im heutigen Cofete soll es eine solche gegeben haben, die wohl auch noch für die Villa Winter genutzt wurde. Viele Orte tragen den Bestandteil Wasser (Aqua) in ihrem Namen und lassen daher auf reichhaltige Wasservorkommen schließen. Wenn man die karge Landschaft der Halbinsel Jandia heute sieht, kann man sich dies kaum mehr vorstellen.

Ferner wurde Bergbau betrieben. In zahlreichen Kalkbrüchen wurde Kalk abgebaut, der hier als sehr rein galt und auch gleich vor Ort gebrannt. Zwei der Kalkbrennöfen sind in Ajuy zu besichtigen. Bis in das 20. Jhd. hinein wurde der Kalkaubau auf Fuerteventura noch betrieben. Der gebrannte Kalk wurde dann auf die Nachbarinsel Gran Canaria verschifft.

Die Halbinsel Jandia war so vom restlichen Teil der Insel Fuerteventura abgeschieden, dass kaum einer der Bewohner jemals das Gebiet Maxorata betrat. Die Wege waren weit und über die Berge sehr beschwerlich. man muss bedenken, es gab bis in die 1950er Jahre kaum Straßen. Nur auf schmalen Hirtenpfaden konnte man wandeln. Diese Tatsach zwang viele Familien untereinander zu heiraten.
Wenn Sie heute einen Ausflug nach Cofete unternehmen, bekommen Sie eine leichte Ahnung dieser Abgeschiedenheit.

Anfang des 20. Jahrhunderts erlitt die kaum vorhandene Wirtschaft einen großen Einbruch. Viele Bewohner kehrten der Halbinsel Jandia den Rücken. Bis Mitte der 1960er Jahre wohnten nur noch wenige Fischer dort, zumal die Anfahrt auch zu dieser zeit noch ein Abenteuer war. Jandia erreichte man eigentlich nur über den Seeweg oder über abenteuerliche Feldwege von Gran Tarajal aus.
Leben sollte erst wieder mit dem Tourismus auf Jandia einziehen.

3. Myten und Bräuche

Das Gebiet der Halbinsel Jandia bzw. der Insel Fuerteventura war lange Zeit nicht vom Christentum geprägt. Vielmehr folgten die Bewohner heidnischen Bräuchen und hatten andere Gottheiten. Der Berg Tindaya galt als religiöses Zentrum der Insel. Vom Tindaya hat man einen Blick nach Teneriffa auf den höchsten Berg, den Teide. Die Einwohner Fuerteventuras glaubten, der Teide sei Heimstatt des Bösen, oder des Teufels. In den Berg Tindaya, mit Blickrichtung nach Teneriffa, meißelten sie Skulpturen, die sie vor dem Bösen bewahren sollten.
Auf Jandia pflegte man eigenartige Bräuche. Die Menschen hatten eine ungewöhnliche Angst vor den Bergen. Ihre Verstorbenen trugen sie über die Berge hinüber und bestattete sie direkt am Strand unter einem Steinhügel. Man glaubte, ihre Seelen könnten nicht über die Berge in das himmlische Jerusalem gelangen.
Einer dieser Friedhöfe, der erst vor einigen Jahren entdeckt und ummauert wurde, ist am Strand von Cofete zu finden.

4. Tourismusentwicklung

Urlaubsort Jandia - Fuerteventura

Urlaubsort Jandia – Fuerteventura

Im  Jahr 1964 begab es sich, dass die zwei deutsche Architekten, Gustav Schütte und Manfred Henneken mit ihrer Segeljacht vor der Insel Fuerteventura kreuzten. Mehr durch Zufall entdeckten die Zwei die langen, weißen Sandstrände der Halbinsel Jandia von ihrer Segeljacht aus. Die beiden Deutschen zeichneten sich schon verantwortlich für die Errichtung von Bungalows auf Teneriffa und so war der Entschluß schnell gefasst, auf der Halbinsel Jandia auch Hotels zu errichten.  Damit ging dann aber auch einher, dass die bis dahin unberührte Natur unwiderruflich verloren gehen würde.
Unter welchen Bedingungen und von wem das Land gekauft wurde, darüber gibt es diverse Spekulationen, die wir hier nicht aufgreifen wollen. Wer Interesse an Verschwörungstheorien hat, der sollte googlen.
Dort wo sich heute der Leuchturm befindet bauten sie zunächst nur ein kleines Gästehaus, das „Casa Atlantica“, das anfangs nur als privates Ferienhaus fungieren sollte.
Doch bald expandierten sie und bauten das Haus zu einem Hotel mit 50 Betten um und brachten ab 1966 die ersten Touristen auf die Halbinsel Jandia.

Eine Straße gab es zu dieser Zeit noch nicht nach Jandia. Die ersten Touristen landeten in kleinen Propellermaschinen auf einer kleinen Flugpiste in Puerto del Rosario, stiegen in einen Jeep um und holperten ca. 6 Stunden über holprige Pisten und Feldwege.
Übrigens haben die weltbekannten Robinson Clubs ihren Ursprung auf Fuerteventura. Etwa 10 Jahre ging es noch recht ruhig zu, bis dann Mitte der 1970er Jahre u. a. das beliebte Hotel Stella Jandia errichtet wurde. Der richtige Bauboom setzte jedoch erst Mitte der 1980 Jahre ein, nachdem die straße bis morro Jable befestigt und asphaltiert wurde. Teilweise hat man nun bereits begonnen, die Fv-2 zu einer Autobahn auszubauen (Stand 2011), um noch schneller mehr touristen an die Traumstrände der Halbinsel Jandia zu befördern.

Für den wirtschaftlichen Aufschwung der Insel Fuerteventura war die Entwicklung des Tourismus sicher ein Segen. Unterhält man sich jedoch mit den älteren Einheimischen in Morro Jable, sehen viele Einwohner es auch mit einem teilweise weinenden Auge. Hat man ein Bild vor Augen, wie unberührt die Natur auf Jandia war, kann man diese Haltung verstehen. Allerdings wurde auf der Halbinsel Jandia halbwegs versucht, die Hotels der Umgebung anzupassen. Ganz so schlimme Bausünden, wie auf Gran Canaria gibt es zum Glück nicht.
Wie Sie einmal einen Eindruck bekommen möchten, wie es Mitte der 1960er Jahre auf Jandia aussah, sollten Sie einen Ausflug nach Cofete machen – bleibt zu hoffen, dass dort nicht bald ähnlicher Bauboom einsetzt.

6. Urlaub in Jandia

Hier gelangen Sie zum heutigen Urlaubsort Playa Jandia.

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